Herbstzeitlose.

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Kristina Schmidt, o. T., 2014, Öl, Lack und Panzertape auf Leinwand, 90 x 70 cm, ©Kristina Schmidt/Courtesy Artsquare.

Für KRISTINA SCHMIDT gibt es keine Unterscheidung zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei. Vielmehr interessieren sie Momente, die während der künstlerischen Arbeit unvermittelt auftauchen können, zum Beispiel ein Kontrast, sei er formaler Natur hinsichtlich des Materials oder der Farben oder aber inhaltlicher Art. Voraussetzung dafür ist ein offener Malprozess, der der Entwicklung Raum schafft und für das Experiment offen bleibt. Das gegenüber anderen Formen der Bildenden Kunst eigentlich beschränkte Versuchsfeld der traditionellen Malerei erlebt Schmidt als endlose Bandbreite der Möglichkeiten, als ein Fenster. Der pointierte Moment, wo Farbe auf Farbe trifft, ist für die Künstlerin übersetzbar in unzählige Variablen. Dabei möchte sie sich an Themen orientieren, deren Relevanz bis in die Gegenwart anhält. Relevanz heißt für sie hier Bedeutung in der Kunst und Ausdruck für die Zeit. Was macht ein Bild so stark, dass es auch nach Jahrhunderten noch besteht, obwohl sich das Bewusstsein für einzelne Inhalte mit der Zeit verändert? Sie findet sie unter anderem in Werken der Alten Meister. Die Geschichte in der Kunst hilft Schmidt, sich selbst zu verorten, herauszufinden wo es noch Möglichkeiten gibt und wo es weitergehen kann. Kunst bedeutet, wenn nicht Fortschritt, dann jedenfalls wach zu sein. Schmidt möchte dabei keine Ikonen erschaffen, es geht ihr auch um ein Augenzwinkern. Relevant sind heute auch die einfachen Dinge, das Blau neben dem Blau.

Relevanz sieht Schmidt beispielsweise in der Universalität von Landschaften und dem Himmel. Auf der Suche nach etwas, das sie reizt, bieten Landkarten das probate Hilfsmittel zur Orientierung im Land und vollziehen gleichzeitig den ersten Schritt zu dessen Abstrahierung. Ihre Suche manifestiert sie in deren künstlerischer „Benutzung“. Während der Suche kreiert sie so letztlich erst das, was sie sucht. Formal reizvolle Momente ergeben sich dabei parallel zu inhaltlichen Aspekten. Schmidt lässt die Farbe auf der Monotypie ins Bild kriechen entlang der Suche nach Gewissheit und Ungewissheit, der Überprüfbarkeit der Karten. In der Folge entstehen Leinwände mit Planeten. Schmidt vergegenwärtigt hier die von ihr als unfassbar empfundene Existenz unseres Sonnensystems und des Universums. Dem Übersteigen der menschlichen Vorstellungskraft setzt Schmidt das Format der Leinwand entgegen und holt das All in eine greifbare, doch geheimnisvolle, vielschichtige Realität zurück. Inzwischen hat sich Kristina Schmidt von dem Anspruch, Themen finden zu müssen, die noch keiner bearbeitet hat, befreit. Es genügt ihr, einen Moment zu isolieren, freizuscharren und festzuhalten.

BE ARTSQUARED. BE  A COLLECTOR.

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