Plastik | Julia Klemm.

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Julia Klemm, Untitled, 2013, Steinzeug, Glasur, Engobe, 56 x 100 x 70 cm, ©Julia Klemm/Courtesy Artsquare.

Die beiden Werke Indianer and Cowboys (1) und (2) erarbeitete JULIA KLEMM zu einem gleichlautenden Ausstellungsthema ihres Professors Norbert Prangenberg. Ihr Anliegen war es, einen Blick auf den Genozid Aspekt zu werfen aus sowohl räumlicher als auch zeitlicher Distanz. Ihr künstlerischer Ansatz war dabei, die strukturelle Veränderung der Gesellschaft nach Ankunft der Europäer in Amerika in der Landschaft zu spiegeln. Laut Klemm ist die Landschaft letztlich das, was ein Volk ausmacht. Wie eine Gesellschaft funktioniert, Veränderungen und Verwerfungen sind an ihr ablesbar. Die Gestalt der beiden Arbeiten beruht dabei auf dem Oval als einer ursprünglichen Form, zu der Klemm vom Grundnahrungsmittel Maiskolben im Völkerkundemuseum inspiriert wurde. War zunächst die gesamte Oberfläche von Indianer and Cowboys (1) mit kleinen Ovalen bestückt, die in der Folge teils aktiv teils beiläufig entfernt wurden oder von selbst verloren gingen, zeigt Indianer and Cowboys (2) die krasseste Form im Verlauf des fortschreitenden Verlustes. Klemm verarbeitete hier zudem Ton ohne Schamott, um unvorhersehbare Risse und Brüche in der Substanz zu erzielen entsprechend der gesellschaftspolitischen Problematik des Kontinents, dem Eingriff und seinen Folgen. Diese erste größere Arbeit an der Akademie der Bildenden Künste München bedeutet für Klemm die Wende vom figurativen Arbeiten während der Ausbildung zur Holzbildhauerin. Sie bewegt sich weg von der Skulptur hin zur Plastik. Das Erproben von Materialkombinationen jenseits ihrer traditionellen Verwendung empfand sie dabei als befreiend. Wichtig ist ihr beim Arbeiten der Prozess, denn das Konzept soll nicht über Form stehen. Wie ein roter Faden zieht sich durch Klemms Arbeiten das Thema Limitationen von Lebensformen. Untitled ist eines von drei großformatigen Werken zum Thema Tier, das deren Haltung als Kontrollform unserer Gesellschaft visualisiert. Das Steinzeug wurde dabei in eine Käfigform aus originalen Konstruktionsrohren der Schweinemast gezwängt. Analog zur Thematik entwickelte die Plastik im weiteren Verlauf ein Eigenleben nach draußen. Klemm zieht auch hier eine zweideutige Abstraktion vor, um Zwischenzustände des Gewahrwerdens abzubilden, die sich ebenso wieder verflüchtigen. Untitled 1 bis 4 (Abferkelbucht) entstehen in der Folge als weitere Abgrenzungsarbeiten, deren Materie wiederum Natur, ob Landschaften oder Tier, versus Mensch analysiert.

Julia Klemm erhielt 2014 ein Stipendium des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.

BE ARTSQUARED. BE A COLLECTOR.

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