Summershow.

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Juli bis September 2014.

Mit den geradezu plastischen Radierungen von MATTHIAS TRAGER in schwarz/weiß kuratiert ARTSQUARE kleine Leinwände von KRISTINA SCHMIDT, graphische Fingerübungen von INES WEBER sowie eine neue Auswahl an Papierarbeiten von HANNAH BALLHAUS zu einer vielschichtigen Präsentation im Kunstraum. In der Zeit der Sommerpause wird dieser zu einer Gesamtinstallation, in dessen Zentrum sich die Plastiken von JULIA KLEMM über die gesamte Bodenfläche ausdehnen und die verschiedenen Positionen miteinander verbinden. Die Arbeiten kreisen um die Wechselwirkung von Menschengeschaffenem und Naturgegebenem und finden jeweils ganz eigene Ausdrucksmöglichkeiten sowohl in der Materie als auch hinsichtlich des Materials. Obwohl der Kunstraum im August geschlossen ist, haben unsere Besucher so die Möglichkeit, ein spannungsgeladenes Schau-Fenster auf sich wirken zu lassen.

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Plastik | Julia Klemm.

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Julia Klemm, Untitled, 2013, Steinzeug, Glasur, Engobe, 56 x 100 x 70 cm, ©Julia Klemm/Courtesy Artsquare.

Die beiden Werke Indianer and Cowboys (1) und (2) erarbeitete JULIA KLEMM zu einem gleichlautenden Ausstellungsthema ihres Professors Norbert Prangenberg. Ihr Anliegen war es, einen Blick auf den Genozid Aspekt zu werfen aus sowohl räumlicher als auch zeitlicher Distanz. Ihr künstlerischer Ansatz war dabei, die strukturelle Veränderung der Gesellschaft nach Ankunft der Europäer in Amerika in der Landschaft zu spiegeln. Laut Klemm ist die Landschaft letztlich das, was ein Volk ausmacht. Wie eine Gesellschaft funktioniert, Veränderungen und Verwerfungen sind an ihr ablesbar. Die Gestalt der beiden Arbeiten beruht dabei auf dem Oval als einer ursprünglichen Form, zu der Klemm vom Grundnahrungsmittel Maiskolben im Völkerkundemuseum inspiriert wurde. War zunächst die gesamte Oberfläche von Indianer and Cowboys (1) mit kleinen Ovalen bestückt, die in der Folge teils aktiv teils beiläufig entfernt wurden oder von selbst verloren gingen, zeigt Indianer and Cowboys (2) die krasseste Form im Verlauf des fortschreitenden Verlustes. Klemm verarbeitete hier zudem Ton ohne Schamott, um unvorhersehbare Risse und Brüche in der Substanz zu erzielen entsprechend der gesellschaftspolitischen Problematik des Kontinents, dem Eingriff und seinen Folgen. Diese erste größere Arbeit an der Akademie der Bildenden Künste München bedeutet für Klemm die Wende vom figurativen Arbeiten während der Ausbildung zur Holzbildhauerin. Sie bewegt sich weg von der Skulptur hin zur Plastik. Das Erproben von Materialkombinationen jenseits ihrer traditionellen Verwendung empfand sie dabei als befreiend. Wichtig ist ihr beim Arbeiten der Prozess, denn das Konzept soll nicht über Form stehen. Wie ein roter Faden zieht sich durch Klemms Arbeiten das Thema Limitationen von Lebensformen. Untitled ist eines von drei großformatigen Werken zum Thema Tier, das deren Haltung als Kontrollform unserer Gesellschaft visualisiert. Das Steinzeug wurde dabei in eine Käfigform aus originalen Konstruktionsrohren der Schweinemast gezwängt. Analog zur Thematik entwickelte die Plastik im weiteren Verlauf ein Eigenleben nach draußen. Klemm zieht auch hier eine zweideutige Abstraktion vor, um Zwischenzustände des Gewahrwerdens abzubilden, die sich ebenso wieder verflüchtigen. Untitled 1 bis 4 (Abferkelbucht) entstehen in der Folge als weitere Abgrenzungsarbeiten, deren Materie wiederum Natur, ob Landschaften oder Tier, versus Mensch analysiert.

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Kabinett | Ines Weber.

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Ines Weber, o. T., 2010, Arbeiten in Tusche, Bleistift, Buntstift, Kohle, Tinte auf Papier, Formate zwischen 14 x 18 cm und 17 x 23 cm, ©Ines Weber/Courtesy Artsquare.

Malerei ist für die 1981 in Rosenheim geborene INES WEBER eine Art Befreiung ihrer inneren Farbigkeit und Formenwelt. Sie soll sich stets sinnlich anfühlen, wobei dies in den frühen Zeichnungen, die um den Themenkreis Bergkulisse kreisen, in Schwarz/Grau/Weiß erzielt wird. Die Natur spielt für Weber als Inspiration die größte Rolle – Strukturen, Formen und Verbindungen, die im Unperfekten das Perfekte darstellen. Diese Formen und Landschaftseindrücke bilden die Basis ihrer Arbeiten. Die Künstlerin sieht ihre Aufgabe darin, sie miteinander zu kombinieren oder einzelne Fragmente zu benutzen und zu kolorieren, um Neues zu schaffen und um Stimmungen zu erzeugen, die absolut unmittelbar sind und sofort wirken können. Der Farbwert im Zusammenspiel mit Form, Struktur und Linie gewinnt dabei zunehmend an  Bedeutung. Webers Malerei findet immer in einem gefühlten Raum statt, in dem sie Charakteristika wie hell oder kräftig erprobt, bis alles stimmt.

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Hannah Ballhaus.

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Hannah Ballhaus, o. T., 2013/2014, Arbeiten in Acryl, Tusche, Wasserfarben auf Büttenpapier, 76,5 x 56,5 cm, ©Hannah Ballhaus/Courtesy Paul Ole Ballhaus.

Seit etwa 2012 entwickelt HANNAH BALLHAUS Farbsysteme, die im Rhythmus der Formen mit Tusche und Acryl auf Büttenpapier im Format 50 x 70 cm gebracht werden. Ihre Bilder entstehen situativ in einer Dialektik von Intuition und Imagination: Formen verschmelzen, verbinden sich, Formen wachsen, drängen an die Kanten. Hannah Ballhaus bezieht sich auf einfache, meist geometrische Grundstrukturen, die sich ständig im Wandel befinden. Der serielle Charakter ist dabei sehr wichtig. Die entstehenden Ordnungen mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten stellen verschiedene Aggregatzustände dar. Die Bilder von Hannah Ballhaus entziehen sich einer eindeutigen Interpretation. Sie vollenden sich erst im Betrachter, wo die Formen und Farben einen Widerhall geben und immer wieder neue Assoziationen auslösen. Schon zu Beginn ihres Akademiestudiums konzentrierte sich Hannah Ballhaus auf Zeichnungen in kleineren Papierformaten, abstrakte Formen und wiederkehrende Strukturen. Indessen experimentierte sie auch mit Malerei und mit Druckverfahren wie Radierung und Siebdruck auf großen Formaten, kehrte jedoch immer wieder zur Zeichnung zurück. Anfänglich noch sehr reduziert auf Form und Fläche, arbeitete sie hauptsächlich mit schwarzer Tusche.

Hannah Ballhaus erhielt 2014 den von Rosemarie von Königsdorff gestifteten Debütanten-Preis der Stiftung Kunstakademie München.

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Welcome Antje Zeiher.

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Antje Zeiher, Tourist 3, 2014, Acryl auf Nessel, 180 x 140 cm, ©Antje Zeiher/Courtesy Artsquare.

Die 1979 in Reutlingen geborene ANTJE ZEIHER, die nach einem ersten Abschluss in Graphik Design an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Jean-Marc Bustamante studiert, versteht es in geradezu eigensinniger Weise dem Traditionsmedium Malerei einen neuen Geist zu verleihen. Mit entschiedenem Gestus gelingt es Zeiher, in sich vollendete Gebilde auf die Leinwand zu setzen, sei es im Groß- oder Kleinstformat – für die Künstlerin eine erwünschte Herausforderung. Mit der ihr eigenen mutigen Energie verbindet sie ausdrucksstarke Farbigkeit in Öl und Acryl und einen experimentellen Umgang mit den Grundformen zu komplexen Konstruktionen auf mehrere Ebenen. Ob wie an Fäden in den Raum gehängt, davonschwebend oder quer gespannt – Zeiher gelingt es, eine dreidimensionale Dynamik abzubilden. In neueren Arbeiten entwickelt sie ihre Vorliebe für beinahe greifbare Textualität oder Stofflichkeit fort. Ausgehend von den typischen Grundformen ergeben sich Anklänge an eine mobile Klaviertastatur, die ergänzt um kleine Glockendreiecke in beinahe synästhetischer Weise Musik hervorrufen – auch im Auge des Betrachters.

ARTSQUARE eröffnet den Kunstraum in der Wilhelmstraße mit großformatigen Leinwänden von ANTJE ZEIHER. Welcome!

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